Die Diebe von Bagdad

Stimmen aus dem Kulturausschuss zu den Benin-Bronzen in den Reiss-Engelhorn-Museen 8.7.2021 
Kapitel 4

Am 3. Mai 2003 wurde weltweit berichtet, das Irakische Nationalmuseum habe die Hälfte seiner Kunstschätze aus der Steinzeit, der babylonischen, assyrischen und islamischen Zeit im Zuge der Besetzung durch die US-Armee verloren. Islamisten hätten die wertvollen Artefakte aus dem irakischen Nationalmuseum geplündert und zerstört. Die US-Truppen besetzten Bagdad am 10. April. Kurz danach verkündeten die USA, es seien 40 000 Museumsgegenstände ‚sichergestellt‘ worden.

Irakisches Nationalmuseum
Sal-matḥaf al-ʿirāqī
2008

Foto: wikipedia

Unklar ist, was genau passiert war.

Die Westdeutsche Zeitung berichtete: Noch vor dem Einmarsch der Amerikaner hatte die Bush- Regierung die Bestimmungen zur Einfuhr archäologischer Artefakte gelockert.“ (Westdeutsche Zeitung. 22.12.2010)

Im Deutschlandfunk wurden erste Zweifel formuliert: „War der Kunstraub im Nationalmuseum von Bagdad nur inszeniert?“ Deutschlandfunk 2003

Der Tagesspiegel berichtete zwar vom Raub von Kunstschätzen. Doch es waren weit weniger als zunächst angenommen und sie wurden überwiegend von professionellen Dieben, vermutlich in Zusammenarbeit mit Museumsangestellten geraubt. Und dies bereits vor dem Krieg. Tagesschau 3.5.2003

Der damalige Generaldirektor Donny George Youkhanna floh laut wikipedia 2006 in die Vereinigten Staaten…

Teile der geraubten Schätze tauchten auch in Deutschland auf. Die Hehlerware scheint auf dem Kunstmarkt unverkäuflich zu sein zu sein. Die Kunstschätze werden ‚zurück geführt‘. 2010 sollte in Viersen ein 15-Millionen-Euro-Deal mit Artefakten aus dem im Irak-Krieg geplünderten Nationalmuseum über die Bühne gehen. Der Wert reduzierte sich bei Festnahme der Hehler auf 2,5 Millionen für die Museumsstücke ohne Zertifikate aus babylonischer Zeit.

Bereits 2005 hatte der frühere Außenminister Steinmeier geklaute Museumsstücke, die in Köln sicher gestellt wurden, nach Bagdad zurückgebracht.(Westdeutsche Zeitung, 22.12.2010)

Fakenews

Auch Fotos wie jenes von den 26 Köpfen, die assyrischen Königsstatuen abgeschlagen worden seien, sollten von der Barbarei der Iraker zeugen. Genauere Untersuchungen ergaben jedoch, dass diese 26 Köpfe schon vorher ausgegraben worden waren. (siehe Michael Bogdanos)

Falschmeldungen und Halbwahrheiten wurden in die Welt gesetzt um die arabischen Länder zu diskreditieren und zu beweisen, dass die Jahrtausende alten Kunstschätze der arabischen Welt in den falschen Händen sind.

Im August 2021 die große Überraschung:

„Nun ist ein Flugzeug aus Washington in Bagdad gelandet und hat eine große Anzahl an archäologischen Stücken – etwa 17.000 – an Bord, die in den Vereinigten Staaten sichergestellt wurden.“ (euronews)

Der globale Kunstmarkt floriert in Kriegszeiten

Die Gier nach fremden Schätzen ist ungebrochen. Ohne Käufer in der globalisierten Welt gäbe es keine Hehler.
Der Raub von Artefakten aus den von Kriegen zerstörten Ländern, wie Syrien, Afghanistan, Libanon dauert bis heute an.

Margarete Würstlin, September 2021

Quellen

Michael Bogdanos: „Die Diebe von Bagdad. Raum und Rettung der ältesten Kunstschätze der Welt“. DVA München 2006

https://de.wikipedia.org/wiki/Irakisches_Nationalmuseum

Beitragsbild:
Darstellung einer Prozession von hochrangigen assyrischen Regierungsvertretern, gefolgt von Überbringern von Tributzahlungen. Ausgestellt im Irakischen National Museum Bagdad. Foto: Osama Shukir Muhammed Amin FRCP(Glasg), CC BY-SA 4.0

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