Kostbarkeiten aus Kolonien in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen

Die Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen verfügen in ihrem Museum der Weltkulturen über ca. 40.000 Objekte aus allen Teilen der Welt. Der größte Teil davon lagert in Depots und ist der Mannheimer Stadtgesellschaft völlig unbekannt. Bei den Objekten handelt es sich um Kunstschätze, Alltagsgegenstände, rituelle Gegenstände, Waffen sowie Schädel und Gebeine. Es ist davon auszugehen, dass der größte Teil davon aus kolonialen Kontexten stammt und ein beträchtlicher Teil aus den deutschen Kolonien (1884 – 1919) nach Deutschland geschafft wurde.

Lange Zeit haben sich weder das Museum noch die Stadt Mannheim mit den kolonialen Kostbarkeiten befasst. Erst in jüngerer Zeit ist es in das öffentliche Bewusstsein eingedrungen, dass die Thematik nicht weiter verdrängt werden kann. Zunächst steht die Rückgabe der geraubten Hofkunstwerke des Königreichs Benin an Nigeria im Mittelpunkt. Im April 2021 erklärte die deutsche Bundesregierung ihre Bereitschaft zur Herstellung umfassender Transparenz, zu Gesprächen mit Nigeria und zur Rückgabe. Die Koalitionspartner*innen der neuen Bundesregierung haben im Koalitionsvertrag die Herausforderung bereits allgemeiner formuliert: “Wir unterstützen insbesondere die Rückgabe von Objekten aus kolonialem Kontext.“ 

Einige deutsche Museen – große wie kleine – haben sich auf den Weg gemacht. Sie präsentieren Bilder ihrer Bestände, diskutieren öffentlich mit Vertreter*innen der Herkunftsgesellschaften, setzen sich kritisch mit ihrer Geschichte auseinander und beginnen mit der Rückgabe von Kulturgütern. Zu ihnen gehören das Museum Weltkulturen Frankfurt, das Museum Offenburg, das Lindenmuseum Stuttgart und das MARKK Hamburg. Das RJM Köln hat im Rahmen seiner Ausstellung „resist“ zum Thema Hofkunst aus Benin ein sehenswertes Interview mit der nigerianischen Künstlerin Peju Layiwola veröffentlicht.

Peju Layiwola im Interview am 26.01.2021

Wir wünschen uns, dass die Reiss-Engelhorn-Museen diesen Beispielen folgen. Wir erwarten Veranstaltungen und Ausstellungen zu den unterschiedlichen Teilen der kolonialen „Sammlungen“, ein Zugehen auf Vertreter*innen der Herkunftsgesellschaften und eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte.

Beitragsbild: Schlangenkopf aus Edo im Königreich Benin. Foto Dominik Drasdow, Linden-Museum Stuttgart

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