Der europäische koloniale Geschichte Togos beginnt an der Küste im Eweland. Die Ewe bewohnten ein Gebiet im „Golf von Guinea“. So nannten die Europäer die westafrikanische Küste von Senegal bis Angola Diese Küste spielte eine zentrale Rolle während des Sklavenhandels. Millionen von Menschen wurden von dieser Küste als Sklaven in die Amerikas deportiert.
Das Eweland war die Region zwischen den großen Mächten Ashanti im Westen und Dahomey im Osten. Die Ewe bildeten eine homogene kulturelle und sprachliche Einheit an der Küste und im Süden Togos bis in die Volta Region, die im heutigen Ghana liegt. Sie lebten und wirtschafteten lange Zeit relativ friedlich neben und mit ihren großen zwei Nachbarn. Ab dem 19 Jahrhundert wurde das Eweland zum militärischen Ziel des Königreichs Ashanti und der mit ihnen verbündeten Akwamu.
Die ersten Kontakte von Ewe mit Europäern an der Küste sind im 15. bis 16. Jahrhundert mit portugiesischen Seefahrern dokumentiert. Später wurden die Dänen aktiver im Sklavenhandel mit den lokalen Königreichen von Ashanti bis Dahomey. Sie bauten Festungen wie z.B die Christianborg in Accra im Jahr 1661 durch Joost Kramer, Agent der afrikanischen Gesellschaft von Glückstadt. Von hier stärkten sie Ihre Position mit dem Bau weiterer Festungen in Richtung Osten wie Z.B im Jahr 1784 „Prinsesten“ in Keta im Eweland.
Die Dänen eröffneten auch Handelsstützpunkte in Aneho an der Grenze des Königreichs Dahomey. Hier betrieben die Dänen, aber später auch Engländer, Holländer und Franzosen, Menschenhandel in Partnerschaft mit den Königreichen Ashanti (heute Ghana), Dahomey (heute Benin), und Oyo (heute Nigeria). Der lukrative Sklavenhandel etablierte sich an der Küste Togo in Aneho. Als England den Sklavenhandel später verbot, entstand in Agbodrafo ein illegaler Handelspunkt.
Dieser Handel beeinflusste stark die soziopolitische und kulturelle Organisation der Ewe- Bevölkerung. Sklavenhandel und Besiedlung durch Europäer an der Küste gingen mit Vergewaltigungen von versklavten oder einheimischen Frauen einher. Die Kinder von Europäern und Afrikanerinnen konnten nur in Afrika in Freiheit leben. Aufgrund des Rassismus anerkannten viele europäische Väter ihre Kinder nicht. Im Amerika wären sie als Sklaven verkauft worden. Aber am Golf von Guinea waren sie gleichberechtigt. In Togo gehörten sie zur Elite und betrieben Politik und Handelsgeschäfte an der Küste. Daher tragen viele Togolesen Nachnamen wie De Souza, D’Almeida, Da Silveira, Olympio, Grunitzky, etc. Alle Europäer außer den Portugiesen verboten ihren Kindern, die Nachnamen ihrer Väter zu tragen.
Im Gegensatz zur Küste war der Norden Togos mehr von Kosmopoliten bewohnt. Der Norden war immer ein wichtiger Bestandteil der Karawanenstraße zwischen Ghana und Marokko. Die wichtigste Stadt dieser Route war Sansané Mango. Schon seit dem 13 Jahrhundert waren die Bewohner:innen entlang der Karawanenstraße in Kontakt mit Arabern, Händlern der Königreiche Mali und Songhai und mit dem Islam.
Ab 1853 kamen die ersten protestantischen Missionare der Norddeutschen Missions-gesellschaft an die Küste Togos mit dem Ziel, die Region zu evangelisieren. Einige Jahre später folgen Kaufleute aus Bremen und Hamburg. Die Zurückhaltung von England in Gold Coast bzw. Ghana und von Frankreich in Dahomey bzw. Benin ermöglichte Deutschland, ein Stück Küste mit Handelsniederlassungen zu besetzen und am 5. Juli 1884 die deutsche Kolonie Togo zu gründen. In Lomé importierten deutsche Kaufleute Alkohol, Waffen und Tabak, und exportierten Baumwolle, Palmöl und Gold. Lomé wurde zur neuen blühenden und wachsenden Stadt.
Die deutsche koloniale Geschichte in Togo ist stark von Brutalität geprägt. Zum Beispiel sendete Deutschland vor dem Abschluss des ersten deutschen Schutzvertrags ein Kriegsschiff an die Küste Togos und verschleppte die offiziellen Vertreter des Wilson-Clans als Geiseln nach Deutschland. Zwangsarbeit, Vergewaltigung und Mord waren die Schlüssel der Deutschen, um Togo in eine „Musterkolonie“ zu verwandeln. Als solche bezeichneten sie Togo aufgrund der ausgeglichenen finanziellen Bilanzen. Ein Vorzeigeprojekt war die Telefunken Radio Antenne in Kamina neben Atakpame. Damit konnte Deutschland mit allen seinen Kolonien in Afrika sowie mit seiner Marine per Radio kommunizieren. In der Region war Togo gleichzeitig für die Brutalität der Deutschen bekannt. Das Land erhielt den Spitznamen „Land der 25 Schläge and One for the Kaiser“.
Das aktuelle Togo entstand aus der Aufteilung der deutschen Kolonie Togoland zwischen Frankreich und England am Ende des ersten Weltkriegs. Dabei wurden die Ewe im Süden und die Konkomba im Norden teilweise dem französischen Togo und teilweise dem englischen Ghana zugeteilt. Im Jahr 1960 errang der Staat Togo seine Unabhängigkeit von Frankreich. Die Staatsgrenzen wurden nicht geändert. Heute ist Togo mit 56 600 km2 und 8 Millionen Bewohner:innen ein französischsprachiges Land mit Ewe und Kabye als nationale Sprachen neben Französisch. Die Wirtschaft basiert auf dem Export von natürlichen Ressourcen wie Phosphaten, landwirtschaftlichen Produkten wie Mais, Soja und Baumwolle.
Mohamede Charife Garba
Quellen:
Histoire des Togolais: Vol 1 des origines à 1881 de Prof N. L. Gayibor
Presse de l’université de Benin Lomé 1997
Togo sous la domination Allemande 1884 à 1960 de Prof N. L. Gayibor
