Kaffee – tropische Frucht und deutsches Alltagsgetränk

Kaffeebäume wachsen nur in tropischem Klima. Neben der verbreitetsten Sorte Arabica gibt es Robusta- und Liberica-Kaffeepflanzen. Die beiden Letzteren sind resistent gegen den vor allem in Asien verbreiteten Kaffeerost und werden auch in tieferen Lagen angebaut. Die Bäume tragen etwa ab einem Alter von vier Jahren, nach etwa 30 Jahren kaum noch. Die Kaffeekirschen reifen nicht gleichzeitig, es muss also während der Erntemonate regelmäßig gepflückt werden, denn nur reife Bohnen sind gut. Das weiche rote Fruchtfleisch wird durch Trocknung oder spezielle Reinigungsverfahren entfernt, ebenso die Hülle um die Kaffeebohnen. Die Bohnen müssen gereinigt und verlesen werden. Dann werden sie als Rohkaffee in Jutesäcke verpackt und zum Großhändler gebracht. Für einen Sack mit 60 kg Rohkaffee ist die Ernte von 100 gut tragenden Arabica-Bäumen erforderlich. Die Menge der Früchte unterliegt aber natürlichen Schwankungen und regionalen Unterschieden.

Der meiste Kaffee wird in kleinbäuerlichen Betrieben produziert, wo auch die Kinder mitarbeiten müssen. Weil die Weltmarktpreise niedrig sind, können die Bauernfamilien oft nicht von ihrem Einkommen leben. Oft reicht nicht für die Schulbildung der Kinder, die Medizin bei Krankheiten oder auch für das Düngen der Kaffeebäume. Neben den ca. 12 Millionen Kaffee anbauenden Familien arbeiten ca. 12 Millionen Menschen für Lohn auf großen Plantagen. Dort herrschen meist schlechte Arbeitsbedingungen und es werden sehr niedrige Löhne gezahlt. Auch von sklavereiähnlichen Beschäftigungsverhältnissen wird berichtet. (siehe Factsheet Südwind)

Inclusive Transport, Handel und Verarbeitung leben heute mehr als 100 Millionen Menschen in mehr als 50 Ländern vom Kaffee. Brasilien, Vietnam, Indonesien, Kolumbien und Uganda sind die Staaten mit der höchsten Kaffeeerzeugung. Der weltweit größte Kaffeehändler und -röster ist die deutsche Reimann-Gruppe, es folgen der Schweizer Nestle-Konzern und der italienische Lavazza-Konzern. Die großen Konzerne bestimmen mit ihren Termingeschäften die Weltmarktpreise. Vom Kaffeepreis, den wir im Laden bezahlen, geht nur etwa ein Sechstel in die Erzeugerländer.

Wie kam es dazu, dass Kaffee zum Alltagsgetränk in Deutschland wurde?

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde in Europa erstmals Kaffee an wohlhabende Adlige verkauft, in kleinen Mengen als teures exotisches Genussmittel oder als medizinische Droge. Im Bergland des südlichen Jemen wurde damals Arabica Kaffee angebaut, der ursprünglich aus der Region Kaffa in Äthiopien stammte. Über die Handelsstadt Mokka am Roten Meer hatte sich das Kaffeetrinken in die arabischen Ländern ausgebreitet.

In Europa waren damals heiße Getränke noch unbekannt. Am Morgen wurde Suppe gegessen.
Aus dem 17. Jahrhundert sind Berichte von deutschen Reisenden bekannt, die sich noch sehr befremdet über Kaffee äußerten: „Es ist ein schwarzes Wasser, ähnlich wie Tinte, mit bitterem Geschmack“. Aber immer größere Kreise ließen sich von dem anregenden Getränk überzeugen, zumal der bittere Geschmack mit Zucker ausgeglichen werden kann. Findige Kaufleute eröffneten Ende des 17. Jahrhunderts in Handelsstädten wie Hamburg, Bremen, Würzburg oder Leipzig Kaffeehäuser nach arabischem Vorbild. Kaffeetrinken wurde chic und verbreitete sich während des 18. Jahrhunderts im Bürgertum. Friedrich Schiller war als Kaffeetrinker bekannt, während Goethe die aufputschende Wirkung ausdrücklich ablehnte.

Kaffee ließ sich gut verkaufen. Die niederländische Vereinigte Ostindische Kompanie, die damals den asiatischen Gewürzhandel dominierte , störte sich am Monopol der Kaffeemetropole Mokka. Sie führte heimlich keimfähige Kaffeebohnen aus dem Jemen aus, züchtete Pflanzen und gründete Kaffeeplantagen auf Java und Ceylon (heute Sri Lanka). Das Handelszentrum für Kaffee war fortan Amsterdam.

Die anderen Kolonialmächte nahmen das zum Vorbild und begannen z.B. auf den karibischen Inseln Jamaica, Kuba, Haiti, Martinique, in Surinam, Guatemala, Kolumbien und Brasilien Kaffee anzubauen. Die Abholzung der Wälder, die Pflanzung und Pflege der Bäume und schließlich die Ernte und Aufbereitung erforderten viel Arbeit. Die Plantagen wären nicht entstanden ohne den transatlantischen Sklavenhandel mit Millionen von in Afrika versklavten Menschen. Riesige Waldflächen fielen Kaffeepflanzungen zum Opfer.

Brasilien, das 1822 unabhängig wurde, entwickelte sich zum größten Kaffee-Exporteur der Welt. Als letztes Land beendete es 1888 die Sklaverei. Viele freigelassene Sklaven hatten aber auch danach keine andere Möglichkeit, als weiter in den Plantagen zu schuften. Brasilien konnte Kaffee zu niedrigen Preisen anbieten und bestimmte am Ende des 19. Jahrunderts die Weltmarktpreise im Terminhandel.

Der globale Handel erfuhr durch die Dampfschifffahrt und den Freihandel einen weiteren Aufschwung. Die weltweite Kaffeeernte verdoppelte sich zwischen 1880 und 1914. 1900 war Kaffee das drittwichtigste Handelsgut der Welt, nach Getreide und Zucker. In dieser Zeit wurde Hamburg zur Kaffeemetropole, in der große Kaffeeröstereien entstanden, und Kaffee in Deutschland zum Alltagsgetränk. Hamburg wurde 1881 Freihafen und einer der weltweit führenden Umschlagplätze für Kaffee, Tee, Tabak, Gewürze und anderen Gütern. Hamburger Kaffeegroßhändler investierten selbst in Plantagen in Guatemala und Brasilien.

Kaffee-Anbau in deutschen Kolonien


Als Deutschland 1884 Kolonien in Afrika gründete, war das Interesse groß, auch dort Kaffee anzubauen. „Zwei Millionen Zentner Kaffee werden das Jahr über in Deutschland verbraucht, welche einen Wert von 150 Mio Mark repräsentieren, und diese ganze Masse des Kaffee muss aus dem Auslande bezogen werden“, beklagte 1887 ein Artikel in der Kolonialzeitung „Deutsche Weltpost“. Die Hoffnungen richtetenn sich vor allem auf Ostafrika. Dort wollte man von den Erfahrungen anderer Kolonialmächte profitieren und wie sie durch Plantagen reich werden. Im Norden des heutigen Tansania wurden Kaffeeplantagen angelegt. Aber die Bedingungen erwiesen sich als schwierig, die Pflanzen waren von einer Blattkrankheit infiziert und es fehlten Arbeitskräfte. Die Ernte war gering und von mäßiger Qualität, so dass in den Plantagen nach und nach auf andere Pflanzen wie die Sisalagave umgestellt wurde. Trotzdem gab es vor dem ersten Weltkrieg Propaganda für deutschen Kaffee.

Handel und Konsum von Kaffee in Mannheim um 1900

Um 1900 ist Kaffeetrinken in Deutschland bereits selbstverständlich. Kaffee wird zum Frühstück getrunken und beim Kaffeekränzchen im bürgerlichen Haushalt. Es gibt ihn sogar schon im Außenverkauf „to go“. Das Mannheimer Adressbuch von 1900 führt mehrere Cafes auf: in O 6 das Cafe Viktoria, in P 5 das Wiener Cafe Central, in D 2 das Cafe Imperial und in C 2 das Cafe Francais. Es gibt in Mannheim 24 Kaffeebrennereien und 25 en gros Kaffeehandlungen. Auch fertig gerösteter Kaffee aus Großröstereien in Hamburg und Bremen – z.B. Kaffee Hag, Darboven und Kaisers Kaffee wird verkauft.


Hier sind Anzeigen aus dem Mannheimer Generalanzeiger von 1900. Angeboten werden geröstete und rohe Kaffeebohnen, eine feine neue Mischung, und Ersatzkaffee. Ersatzkaffee – sogenannte „Kaffee-Präparate“ stellen mehrere Mannheimer Firmen her.

Auch die einfachen Arbeiter und Arbeiterinnen gönnten sich nach Möglichkeit Bohnen-Kaffee, obwohl er im Verhältnis zu ihrem Einkommen teuer war. Dass sich Kaffee als Getränk auch unter den ärmeren Leuten so stark verbreiten konnte, hängt auch mit der Beimischung von Ersatzkaffee zusammen. Zichorienwurzeln, Eicheln, Feigen und Getreide wurden geröstet und gemahlen für ein Getränk, das dem echten Bohnenkaffee so ähnlich wie möglich sein sollte. Damit konnte je nach Geldbeutel der Kaffee gestreckt werden.
Die Werkskantinen, z.B. in der BASF und im Güterbahnhof, schenkten Kaffee aus. Bohnenkaffee gab es für umgerechnet 50 Cent die Tasse, gestreckten Kaffee z.Teil gratis. Die Firmen wollten damit auch den Bierkonsum eindämmen. Kaffee wirkt anregend und ist deshalb geeignet, die Arbeiter:innen an langen Arbeitstagen leistungsfähig zu halten.

Als die kaiserliche Regierung 1909 angesichts steigender Rüstungsausgaben beschloss, den Kaffeezoll zu verdoppeln, gab es im Reichstag eine erbitterte Diskussion über die Kaffeepreise.


Und heute?

Heute verbrauchen die Menschen in Deutschland im Durchschnitt 6,7 kg Kaffee pro Jahr, um 1900 waren es 3 kg. Deutschland ist weltweit das Land mit dem drittgrößten Kaffeeimport und dem höchsten Export von Röstkaffee, entkoffeiniertem und löslichem Kaffee. Das große Geschäft mit dem Kaffee wird bei uns gemacht, während die ErzeugerInnen am Anfang der Lieferkette zu wenig verdienen, um sich ausreichend ernähren, kleiden und bilden zu können.
Der Staat beteiligt sich am Kaffee-Geschäft. Seit 1948 bezahlen wir in Deutschland eine Verbrauchssteuer von 2,19 € pro kg Röstkaffee und 4,78 € pro kg löslichen Kaffee.

Kaffee aus fairem Handel ist eine Alternative für bewusst Konsumierende. Aber es ist wichtig, auf das Zertifikat zu achten. Firmen, deren Produkte das grün-blaue Fairtrade-Siegel tragen, müssen sichern, dass den Produzenten ein Mindest-Preis garantiert wird. Ausserdem ist die Organisierung in Genossenschaften Voraussetzung. Die müssen demokratische Strukturen haben, Frauen beteiligen und fördern und dürfen keine ausbeuterische Kinderarbeit zulassen. Vergeben wird das Fairtrade-Siegel durch den gemeinnützigen Verein TransFair auf Basis von Lizenzverträgen. Die GEPA steht mit ihrem Namen dafür ein, dass die Kriterien des Fairen Handels eingehalten werden. Sie handelt mit bekannten Vertragspartnern und fairer Handel ist ihr zentraler Unternehmenszweck. Die Gesellschafter sind kirchliche Entwicklungsorganisationen und Jugendverbände.

Literatur:
Martin Krieger: Kaffee. Geschichte eines Genussmittels 2011
Annerose Meininger: Genuss im kulturellen Wandel. Tabak, Kaffee, Tee und Schokolade in Europa, 2008
Julia Laura Rischbieter: Mikroökonomie der Globalisierung. Kaffee, Kaufleute und Konsumenten im Kaiserreich 1870-1914, 2011
Südwind – Institut für Ökonomie und Ökumene: 

Factsheet Auf ein Tässchen. Soziale und ökologische Herausforderungen im Kaffeeanbau, 2020

Studie: Auf ein Tässchen. Die Wertschöpfungskette von Kaffee, 2020

Bilder:
Mannheimer Generalanzeiger / MARCHIVUM
Koloniales Bildarchiv / UB Universität Frankfurt
Michael Williams, Deforesting the Earth, 2003

Autorin: Gertrud Rettenmaier

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