Die Entwicklung der Stadt Mannheim zum süddeutschen Handelszentrum und zur Industriestadt ist eng mit der Einbindung in die globale Kolonialwirtschaft verbunden. Ein süddeutsches Handelsmonopol für Guano aus Südamerika legte den Grundstein für die Landmaschinenfabrik Heinrich Lanz und begründete den Reichtum der Lanz-Dynastie. Viele Mannheimer Industriebetriebe begründeten Ihren Erfolg auf der Verarbeitung von Kolonialprodukten. Indigo spielte eine wichtige Rolle für die Farbenindustrie, Chinarinde für die Pharmaindustrie. Mannheimer Gummifabriken stellten vielerlei neuartige Produkte aus tropischem Kautschuk her. Tropische Ölfrüchte wurden zu Seife, Margarine und Schuhcreme verarbeitet, Jute zu Säcken, Sisal zu Seilen. Tropenhölzer wurden für Möbel und Inneneinrichtungen interessant. Kaffee, Kakao, Gewürze, Tee und Südfrüchte wurden in steigender Menge in Kolonialwarenhandlungen angeboten.
Entsprechend setzte sich das Mannheimer Bürgertum sehr früh für deutsche Kolonien ein. Man wollte profitieren von deutscher Herrschaft über Länder in Afrika und Asien, die billige Rohstoffen liefern und als neue Absatzmärkte dienen würden. 1882 gründeten mehr als 200 Mannheimer Kaufleute, Industrielle und Bankiers unter dem Vorsitz des Handelskammer-Präsidenten Philipp Diffené die deutschlandweit erste Sektion des Deutschen Kolonialvereins (später Deutsche Kolonialgesellschaft). Dessen Ziel war, die Gründung deutscher Kolonien mit „Handelsstationen“ und „größeren Unternehmungen“ voranzutreiben.
Eine ganze Reihe von Bankiers, Kaufleuten und Unternehmern aus Mannheim kaufen ab 1885 Anteile der großen Kolonialunternehmen in Afrika, die afrikanische Regionen kolonisieren und ausbeuten sollten. An der „Kolonial-Gesellschaft für Südwest-Afrika“, der „Kamerun-Land- und Plantagen-Gesellschaft“und der „Deutsch-Ostafrikanische-Gesellschaft“ waren heute noch bekannte Industrielle wie Ernst Böhringer, Friedrich Engelhorn, Karl Reiss und Heinrich Lanz beteiligt. Ein herausragender Investor war Ferdinand Scipio, der auch Plantagenbesitz in Kamerun erwarb.
Einzelne Mannheimer engagierten sich in der Kolonialpolitik: Theodor Bumiller bekämpfte an der Seite Wissmanns den Widerstand in „Deutsch-Ostafrika“ gegen die deutsche Kolonisation. Theodor Seitz machte Karriere als Gouverneur der deutschen Kolonien Kamerun und „Deutsch-Südwestafrika“, Alfred Hanemann war Bezirksamtmann und Richter.
Den herausragenden Platz Mannheims in der Welt und im Vergleich zu anderen deutschen Städten sollte ein Völkerkundemuseum zur Schau stellen. Die Stadt Mannheim sowie private Investoren förderten das Zusammentragen und Abliefern von Kulturschätzen aus den Kolonien, u.a. durch Franz Thorbecke und Theodor Bumiller. In den 1930er Jahren begann Robert Pfaff-Giessberg ein solches Museum aufzubauen.
Beitragsbild: Das 1937 in Mannheim errichtete Denkmal des Kolonialrevisionismus. Die Bronzefigur wurde gegen Ende des Weltkriegs für die Produktion von Munition eingeschmolzen
