Einer der zahlreichen Höhepunkte der Afrikatage Mannheim 2026 war die Vernissage der Ausstellung “Very Inspiring Persons” am 13.07. in der Lutherkirche mit einer Eröffnungsrede der jungen Namibierin Nafimane Hamukoshi und der musikalischen Umrahmung durch den Afrikachor Mokolé.
Eine gemeinsame Veranstaltung von EWF, AK Kolonialgeschichte und KASA.
Die Fotoausstellung präsentiert Zwölf Held:innen mit Bezug zum afrikanischen Kontinent. Eine von ihnen ist die kenianische Nobelpreisträgerin Wangari Maathai (Beitragsbild), die ausgehend von lokalen Baumpflanz-Aktionen die weltweite Bewegung der „Grünen Gürtel“ begründete. Nafimane Hamukoshi aus Namibia nahm Bezug auf einen Satz von Maathai: „Es kommt auf die kleinen Dinge an, die Bürger:innen tun“.
„Die Zukunft ist nichts, worauf wir warten – sie ist etwas, das wir gemeinsam gestalten“ begann Nafimane H. ihren Vortrag. Sie ist seit ihrer Schulzeit aktiv und bezeichnet sich als Jugendaktivistin. Inzwischen ist sie stellvertretende Vorsitzende des Economic Social Justice Trust (ESJT), das seit 2012 für eine gerechte Verteilung der Ressourcen in Namibia und für die Stärkung der Rechte der wirtschaftlich und sozial ausgegrenzten Menschen eintritt. Die Aktivist:innen des ESJT kämpfen mit Kampagnen und Projekten für den Schutz der Umwelt, für universelle Menschenrechte, für Bildung, demokratische Strukturen und Klimagerechtigkeit.
Nafimane H. betrachtet Namibia als junge Nation mit großem Potential, jedoch schreiender Ungerechtigkeit. Ein großer Teil der Bevölkerung müsse in Armut leben. 44%, in manchen Regionen sogar über 50% der jungen Menschen seien arbeitslos. Die spürbaren Auswirkungen des Klimawandels verschärften die Situation noch. Die Aktivist:innen des ESJT fordern Transparenz und Beteiligungsmöglichkeiten bei zukunftsweisenden politischen Entscheidungen wie z.B. das deutsch-namibische Projekt zur Produktion von grünem Wasserstoff für den Export nach Deutschland. Die namibische Regierung betrachte dieses Projekt als Weg zu Wirtschaftswachstum und Industrialisierung und habe keine demokratische Diskussion über seine Umsetzung angestossen, führt Nafimane H. aus. Die ESJT jedoch frage nach den Besitzverhältnissen, strukturellen Abhängigkeiten und den Profiteuren des Wasserstoffprojekts. Ihre Schlüsselfrage laute: Wie trägt das Projekt zum Abbau sozialer Ungleichheiten bei? Ebenso fordere sie ein Mitspracherecht der betroffenen indigenen Gemeinschaften.
Eine nachhaltige Ökonomie der Zukunft könne, so Nafimane H., nur durch den Aufbau starker lokaler Wirtschaftseinheiten zustandekommen. Junge Menschen sollten qualifiziert und darin unterstützt werden, in den Gemeinden Strukturen zur Nahrungsmittelversorgung sowie zum Natur- und Klimaschutz aufzubauen. Sie sollten die Führung übernehmen bei der Gestaltung ihrer Zukunft. Namibias Zukunft hänge ab von der Aktivität und Verantwortungsüber-nahme der Menschen vor Ort.
Dass es gelingen wird, viele Menschen in Namibia dafür zu gewinnen, daran bestand bei den Zuhörenden nach dem überzeugenden Vortrag kein Zweifel. Deutschland, das als Kolonialmacht die ungerechte Verteilung von Land und Ressourcen verursacht hat, sollte sich für Umverteilung und demokratischere Strukturen in Namibia einsetzen.
Der Chor Mokolé unter Leitung von Thabang Mokoena trug voller Energie und Lebensfreude Lieder aus verschiedenen afrikanischen Ländern vor. Aus der Musik schöpfen Menschen in Afrika ebenso wie hierzulande Kraft.
Beitragsbild: Wangari-Maathai-by-Martin-Rowe
