Wie weiter mit den Benin-Bronzen in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen?

Im Kulturausschuss des Mannheimer Gemeinderats wurde vor Kurzem über den aktuellen Sachstand im Umgang mit den in Mannheim befindlichen geraubten Kulturgütern aus dem Königreich Benin/Nigeria diskutiert. Denn auf Bundesebene gibt es eine Weiterentwicklung:
In einer gemeinsamen Erklärung haben die Bundesrepublik Deutschland und die Bundesrepublik Nigeria vereinbart, dass alle in Deutschland befindlichen Kulturgüter aus Benin in das Eigentum Nigerias übergehen sollen. Benin-Bronzen, die weiter in Deutschland ausgestellt werden, sollen dann als Leihgaben Nigerias behandelt werden.

Wie geht Mannheim mit den geraubten Gegenständen um, die sich im Eigentum der Stadt Mannheim befinden?


In den Reiss-Engelhorn-Museen (REM) Mannheim wurde vom  Oktober 2021 bis März 22  ein Forschungsprojekt zu den Benin-Bronzen durchgeführt, gefördert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste. Das Ergebnis ist:
Es befinden sich insgesamt 29 Objekte aus Benin/Nigeria in Mannheim, darunter drei Prunkköpfe und sechs Reliefplatten aus Bronze, sechs Stoßzähne und weitere Gegenstände aus Bronze, Elfenbein und Holz. Sie lassen sich auf die Zeit vor 1900 datieren, stammen daher mit großer Wahrscheinlichkeit aus der Plünderung der britischen Kolonialmacht. Nach Mannheim gelangten sie von unterschiedlichen Zwischenstationen überwiegend in der Zeit von 1921 bis 1935. (Information von Dr. Friedland im Kulturausschuss vom 7.7.22)

Mannheims Kulturbürgermeister Grötsch erklärte im Kulturausschuss am 7.7.22.:
Es ist Mannheims Ziel, dem formulierten Anspruch gerecht zu werden.

Handlungsmaxime der Reiss-Engelhorn-Museen: Abwarten und Tee trinken?

Die zuständige Abteilungsleiterin der REM Dr. Friedland rät zur Vorsicht. Als seien die REM ganz plötzlich mit der Tatsache konfrontiert, zu Unrecht erworbene Kulturgüter zurück geben zu müssen, ist sie zwar bereit, „den Prozess weiter voran treiben“, möchte sich aber viel Zeit lassen:  „Wir haben vor, sorgfältig vorzugehen. Von uns wird nicht erwartet, dass wir im Hauruck irgendwelche Entscheidungen treffen.“ … Es „ist auch wichtig, das wir entsprechend Zeit haben, um uns darauf vorzubereiten“...„hier ist es notwendig, dass wir erst mal besonnen vorgehen und die genauen Schritte planen“. Dann einbringen, „was wir uns wünschen“ und „sorgfältig Entscheidungen vorbereiten“. Die Veröffentlichung aller Objekte mit Bild u.a. auf der bundesweiten Datenbank sei geplant.

Wir erwarten, dass die REM öffentlich Stellung nehmen und

  1. die Tatsache anerkennen, dass die Gegenstände geraubt sind und daher zurückgegeben werden müssen. Das bedeutet auch die Anerkennung des Verlustes, den die Menschen in Nigeria erlitten haben
  2. die gemeinsame Erklärung Deutschland-Nigeria begrüßen und ihre Bereitschaft zu einer zeitnahen Rückgabe erklären, wie es z.B. das Stuttgarter Lindenmuseum tut. (siehe Interview mit dem SWR und Homepage des Lindenmuseums.
  3. sukzessive alle Gegenstände aus anderen Kulturen mit Bild veröffentlichen, auch auf der eigenen Internetseite des Museums. Vorbilder sind die Museen Köln und Stuttgart

Beitragsbild:
Reliefplatte: Würdenträger mit Bläser und Begleitern, Königtum Benin, Nigeria, vermtl. 17. Jd., 40×45 cm. Solche Reliefplatten schmückten Wände und Säulen im Königspalast von Benin City. Dieses Exemplar wurde 1925 vom Leipziger Sammler Hans Meyer erworben. © rem, Carolin Breckle

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