Mannheim in der Welt und mit seiner Geschichte – Straßennamen drücken es aus!

Mit Straßennahmen ebenso wie mit Denkmälern, Museen und kulturellen Aktivitäten drückt eine Stadt ihre Identität aus: Wer sind wir, wer gehört dazu, welche Geschichte haben wir?
Mannheim ist eine bunte vielfältige Stadt, die Rassismus in allen Formen entgegentritt. Im Leitbild der Stadt wird die solidarische, vielfältige Stadtgesellschaft ebenso betont wie das Engagement für Gleichstellung und globale Gerechtigkeit. Diese Identität der Stadt Mannheim wird in den aktuellen Straßennamen kaum wiedergespiegelt. Zwar finden sich durchaus Namen von Eingewanderten aus den ersten Jahrhunderten nach der Stadtgründung wie Clignet oder Collini, die jüngere Migrationsgeschichte ist jedoch nicht zu finden. Auch sind kaum Straßen und Plätze nach Frauen benannt.

Deutschland und Mannheim haben in der Geschichte Zeiten durchlaufen, die von rassistischer Menschenfeindlichkeit und Gewalt geprägt waren. Das gilt für die Jahre der faschistischen Diktatur, als Deutschland andere Länder überfiel und Deutsche anderer Abstammung, Religion oder Weltanschauung vernichtete. Das gilt auch für die Zeit des Kaiserreichs von 1871 bis 1918. Damals besetzten deutsche Truppen gewaltsam Regionen in Afrika, im Südpazifik und in China, etablierten grausame Herrschaftssysteme und begingen Massaker. Das damalige Leitbild war: Wir sind so großartig, dass wir jedes Recht haben, Menschen, die sich von uns unterscheiden, zu unterjochen, zu quälen und zu töten. Das deutsche Kaiserreich begann den ersten Weltkrieg.

Mannheim ist mit seinem heutigen Leitbild nur glaubwürdig, wenn es sich auch seiner Geschichte stellt. Ein Zusammenleben in Vielfalt setzt eine Abgrenzung von der damaligen Tätern ebenso wie die aktive Auseinandersetzung mit heute noch verbreiteten rassistischen Menschenbildern voraus. Ein Engagement für globale Gerechtigkeit bedeutet die Aufnahme von Geflüchteten ebenso wie die Rückgabe von Kulturgütern aus den Reiss-Engelhorn-Museen an die Nachfahren der Gesellschaften, denen sie geraubt wurden.

Neue Straßennamen leisten einen Beitrag zum Leitbild unserer Stadt, wenn die Straßen nach Vorbildern für die heutigen Werte benannt werden. Es sollten Personen geehrt werden, die sich gegen Kolonialherrschaft und Rassismus, für globale und Geschlechtergerechtigkeit, für ein respektvolles Zusammenleben und für Nachhaltigkeit im Umgang mit der Welt eingesetzt haben. Ergänzende Schilder können den Kontrast zur Vergangenheit deutlich machen, indem sie auf den früheren Straßennamen hinweisen und die Gründe für die Umbenennung erläutern.

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