Der Duft ist nicht immer angenehm. Viele Mannheimer:innen wissen: Es ist die Schokinag am Hafen. 1922/23 als Familienunternehmen für die Verarbeitung von Kakaobohnen zu Kakao-Halbfabrikaten gegründet, wurde sie bald zum größten Unternehmen für Kakaoerzeugnisse in Deutschland. Heute ist die Schokinag nur noch ein Markenname. Sie gehört zwei asiatischen multinationalen Konzernen. Die Aufbereitung von Rohkakao ging 2015 an den in Singapur ansässigen Agrarkonzern Olam. Olam pumpt die Kakaomasse u.a. durch Rohre auf die andere Straßenseite zur Schokinag – seit 2020 im Besitz des multinationalen Kakaokonzern Guan Chong Berhad aus Malaysia -, die daraus Schokolade für Industrie und Handwerk herstellt.
Zwar riechts in Mannheim manchmal unangenehm nach Schokolade, aber:
In Westafrika stinken die Arbeitsbedingungen und niedrigen Einnahmen der Kakaobauern und Transporteure zum Himmel! Weil die Familien so arm sind, müssen die Kinder auf den Plantagen mitarbeiten, anstatt die Schule zu besuchen.
Seit europäische Staaten Westafrika kolonialisiserten, wird dort Kakao für den Export angebaut. Die Menschen dort werden ausgebeutet für niedrige Rohkakaopreise. Auch ein Mannheimer Investor und Kolonialunternehmer besaß eine Kakaoplantage in Kamerun. Ferdinand Scipio benannte die Plantage Idenau nach seiner Tochter Ida. Die Arbeit leisteten Einheimische.
Olam schmückt sich heute mit Vorzeigeprojekten: Die Firma hat z.B. in Ghana Klassenzimmer für rund 18.000 Kinder gebaut, bzw. saniert. Schokinag ist Mitglied im Forum Nachhaltiger Kakao. Aber die Preise für Rohkakao bleiben niedrig, Abholzung und der Einsatz von Pestiziden bedrohen weiter die Gesundheit der Familien, die Umwelt und das Klima.
70% der weltweiten Kakaoernte kommt aus Westafrika. Aber weniger als 1% der weltweit verkauften Schokolade wird dort hergestellt. Profite werden bei der Verarbeitung im globalen Norden gemacht. Dass es anders geht, zeigt Fairafric in Amanase, Ghana: Vom Anbau bis zur Verarbeitung des Kakaos und der Vermarktung ist alles in afrikanischer Hand.
Audio Deutschlandfunk 2020 zur Situation der Familien im Kakaoanbau in Westafrika
