Raus mit der Sprache: Was sind denn das für „Sachen“?

Stimmen aus dem Kulturausschuss zu den Benin-Bronzen in den Reiss-Engelhorn-Museen 8.7.2021 Epilog

In der Sitzung des Kulturausschusses der Stadt Mannheim zum Thema Benin-Bronzen entwickelten vornehmlich die Herren eine wahre Meisterschaft darin, den Tatbestand des Raubes wertvollster Kulturgüter aus kolonialisierten Ländern zu verschleiern. Manchmal konnte man nur ahnen um was es eigentlich ging, denn die Rede war ganz überwiegend von den „Dingen“, „Objekten“, „Sachen“ und „Stücken“. Da wurde „Sammlungsgut“ „entnommen“ oder aufgenommen“, es „kam zu uns“.

Verkehrte Welt

2019 wurden „Arabische Clans“ verdächtigt, in die Schatzkammer des Grünen Gewölbes in Dresdens Residenzschloss eingebrochen zu sein. Sie sollen Diamanten, Brillanten und Perlen aus der Juwelen-Garnitur von Friedrich August I. im Wert von mehreren Millionen Euro erbeutet haben.

Man stelle sich vor, die sog. ‚Remmo-Clan- Mitglieder‘ beteuerten, sie hätten diese Dinge als Sammlungsgut nur zur Sicherheit aufgenommen. Schließlich handle es sich um Weltkulturerbe und man sehe ja, wie schlecht sie im grünen Gewölbe gesichert waren! Deswegen könne man sie jetzt auch nicht zurückgeben. Man prüfe zunächst, welche Einwirkungsmöglichkeiten es gebe, im Vorfeld soviel Druck aufzubauen, dass man die Rückgabe mit der Verpflichtung versieht, dass dann so und so damit umgegangen wird. Im übrigen müsse zunächst eine Bestandsaufnahme gemacht und alles digitalisiert werden. Unklar sei auch, wer eigentlich rechtmäßiger Besitzer sei. Ahmed Remmo würde sich gönnerhaft an Prof. Dr. Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wenden: „Wir haben ja auch eine Verpflichtung an unsere Freunde und Kollegen, dass wir sagen, ihr Kulturbeitrag ist so wichtig, es soll für die Menschenbildung zur Verfügung stehen.“
(fett/kursiv gesetzt sind Originalzitate aus dem Livestream der Sitzung des Kulturausschusses am 8.7.21)

Warum „die Dinge“ nicht beim Namen nennen?

Indem die Kunstschätze nicht als solche benannt werden und ihre Herkunft ausgeblendet wird, nimmt man ihnen ihre Bedeutsamkeit. Dies zeugt von wenig Wertschätzung gegenüber den Völkern, die unter der Kolonialherrschaft zu leiden hatten, sowie am mangelndem Interesse an der Aufarbeitung der Kolonialgeschichte Mannheims. Zudem widerspricht es dem Auftrag eines Museums zur Bildung und Aufklärung seiner Besucher.

Die geraubten Kultgegenstände verlieren in den REM ihre religiöse und spirituelle Bedeutung. Die aus Gräbern entwendeten menschlichen Gebeine in den REM sind mit Sicherheit am falschen Ort und verletzen den Ahnenkult der Nachfahren. Die kunstvoll gestalteten Alltagsgegenstände fremder Kulturen zeugen allenfalls von der Rücksichtslosigkeit und Menschenfeindlichkeit der Diebe.

Mannheims Gemeinderat sollte sich seiner Verantwortung für das Zustandekommen der Mannheimer „Sammlungen“ stellen.

Margarete Würstlin, November 2021

Beitragsbild: Der Thron des Großmoguls Aureng-Zeb 1701-1708, Johann Melchior Dinglinger, CC BY-SA 3.0

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