Umgang mit kolonialen Kulturgütern – das Beispiel Köln –

Andere Museen in Deutschland haben bereits Wege für eine aktive Auseinandersetzung mit dem kolonialen Ursprung von „Sammlungsgut“ erarbeitet. Zum Beispiel das städtische Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM) Köln. Vera Marusic, Direktionsassistentin des RJM, konnte leider krankheitsbedingt nicht an unserer Podiumsdiskussion am 4.10. teilnehmen. Freundlicherweise hat sie uns ihr Statement zugeschickt. Wir veröffentlichen Auszüge davon:

„Das RJM gilt schon lange als ein Haus, das das seine koloniale Vergangenheit nie verschwiegen, interdisziplinär gearbeitet und in seinen Ausstellungen immer Brücken zur Gegenwart gebaut hat. Vor dem Hintergrund, dass die Gründungsgeschichte des RJM in die Kolonialzeit fällt  und ein wichtiger Teil der Sammlung aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg stammt, versuchen wir seit 2019 die Türen des Museums noch weiter zu öffnen, noch mehr Platz für Vielstimmigkeit zu schaffen…

Dazu gehört die Öffnung eines Open-Space DIE BAUSTELLE im Dezember 2019, wo wir Raum für Austausch und Zusammensein unterschiedlichster Akteure der Kölner Stadtgesellschaft geschaffen haben, worunter unbedingt oder auch insbesondere die diasporischen Gemeinschaften in Köln und NRW gehören…

Ebenso zählen dazu unter anderem die Sonderausstellungen „Die Schatten der Dinge“ (11.09.20-11.04.21), „RESIST! Die Kunst des Widerstands“ (01.4.2021-9.1.2022), „Eine Seele in Allem Begegnungen mit Ainu aus dem Norden Japans (5.11.2021 bis 20.02.2022), „Syrien – Gegen das Vergessen“ (10.06.-11.09.22) sowie zuletzt „I MISS YOU. Über das Vermissen, Zurückgeben und Erinnern“ (29.04.22 – fortlaufend), die sich alle mit dem Kolonialen Erbe des Museums auseinandersetzen und nach neuen alternativen kuratorischen Methoden der Zusammenarbeit suchen…

Durch das Ausstellungsprojekt RESIST! gelang es, die Besucherstruktur des Museums deutlich zu verändern. Junge Erwachsene, Menschen mit internationalen Biografien (europäisch, außereuropäisch) und insbesondere PoCs, Nachfahren von Kolonisierten, Angehörige der afrikanischen diasporischen Gemeinschaften in Köln und NRW konnten mit dem Ausstellungsprojekt erreicht werden. Viele von ihnen haben das Museum erstmals wahrgenommen und/oder fühlten sich überhaupt angesprochen und eingeladen, das Museum zu besuchen und sich einzubringen. 

Das ethnologische Museum der Zukunft ist ein Ort der Konversation. Es arbeitet transparent. Erforderlich ist dabei unbedingt die aktive und inklusive Teilhabe von Künstler*innen, Wissenschaftler*innen, Geistlichen, Aktivist*innen, Mitgliedern der Diaspora, aber insbesondere auch von Nachfahren der Gesellschaften, die die Objekte der Sammlung des RJM geschaffen haben. Es sollte ein Ort werden, in dem vielschichtiges Wissen und Vorstellungen unserer Welt vereinigt werden.

Mit seinem neuen digitalen Projekt „Leaky Achive“ sucht das RJM weiter nach Methoden für digitale und analoge Zusammenarbeit, damit die Sammlung von Objekten, Fotografien und Dokumenten des Museums tatsächlich für jede und jeden zugänglich und von weiteren Narrativen ergänzt wird. Das Projekt erforscht, wie Zugänge zu kolonialen Archiven und Sammlungen konsequent geöffnet und die Arbeit an ihnen mit Hilfe von Digitalität geändert werden kann.“

Beitragsfoto: Screenshot der Website des RJM, 15.10.2022

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