Mannheim feierte im Sommer 1907 sein 300-jähriges Stadtjubiläum. Die Stadt präsentierte sich als Ort der aufstrebenden Industrie, der Kunst, der Gärten und der Unterhaltung. Zu der Zeit war Mannheim verbunden mit vielen von Deutschland oder anderen europäischen Mächten kolonialisierten Ländern. Tropische Rohstoffe wurden in Mannheim verarbeitet und verkauft, Industrieprodukte in alle Welt exportiert. Informationen über „unsere Kolonien“ gab es in Zeitungen und auf Reklame-Sammelbildern.
Zur Inszenierung der eigenen Großartigkeit gehörte während des Stadtjubiläums auch die Vorführung der „Anderen“, auf die neugierig herabgeschaut werden konnte. Ein sogenanntes „Abessinierdorf“ bot eine Gelegenheit, „diese halbwilden, noch im ersten Stadium der Kultur stehenden Menschen in ihrem Alltagsleben zu beobachten“ (Mannheimer Generalanzeiger vom 4. Juli 1907).
Durch die deutschen und europäischen Städte tourten damals mehrere Völkerschauen. Geschäftstüchtige Schausteller warben Menschen an, mit denen „echtes afrikanisches Leben“ zur Schau gestellt werden konnte. Das Mannheimer „Abessinierdorf“ bestand aus ca. 70 Personen aus verschiedenen Ländern Nordostafrikas. Zuvor waren sie im englischen Bradford und in Oldenburg als „Somalierdorf“ aufgetreten.

Mannheims Bürgermeister mit den Kindern des „Abessinierdorfs“ anlässlich der Geburt von „Aurelah Mannhemia“


Informationen über diese und weitere Völkerschauen in Mannheim siehe:
Marion Jourdan:
Koloniale Spektakel, kosmopolitische Kontaktzonen. Völkerschauen in Mannheim.
In B.Gißibl/K.Niederau (Hg.) Imperiale Weltläufigkeit und ihre Inszenierungen.
